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Kommentar21

Organisierte Unfähigkeit

7. März 2013

Die ersten Symptome beim Scheitern von Grossprojekten wirken undramatisch. In Stuttgart machten Bürger gegen den geplanten Bahnhof mobil – das war zu erwarten. In Hamburg gab es beim Bau der Elbphilharmonie Diskussionen über die Statik – kein Wunder bei einem derartig kühnen Projekt. In Berlin musste die Eröffnung des neuen Flughafens wegen Mängeln beim Brandschutz verschoben werden – da waren die Aufseher möglicherweise übereifrig. Aber bei allen drei Projekten traten dann Symptome wie bei einem moribunden Patienten zutage, der ursprünglich geglaubt hatte, er hätte bloss Halsweh: Fehlerhafte Planung, schlechtes Management und Kompetenzwirrwarr in der Zusammenarbeit von Politik, Behörden und Bauverantwortlichen sind Diagnosen, die vom tatsächlichen Chaos nur eine schwache Ahnung vermitteln. Je weiter die Blamage voranschreitet, desto peinlicher werden die Details, die an die Öffentlichkeit gelangen. Und regelmässig kommt es zu Kostensteigerungen, die die ursprünglichen Annahmen parodieren. Sind Projekte dieser Grössenordnung schlicht und einfach zu komplex? Das wird gerne gesagt, aber es ist falsch. Denn jeden Tag bewältigt unsere Gesellschaft höchst komplexe technische Anforderungen ohne gravierende Pannen. Man denke nur an die Sicherheit des Luftverkehrs. Es wird höchste Zeit, eine Debatte darüber zu führen, wie wir aus der organisierten Unfähigkeit herausfinden. Denn es ist nicht damit getan, hier und da ein paar Köpfe rollen zu lassen, als ob es nur um einzelne Personen ginge. (Stephan Wehowsky)

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