Euro-Untergang
René Zeyer

Der grösste Sargnagel

Es gibt eindeutig eine Hauptschuldige

Von René Zeyer

Bevor uns die Trümmer um die Ohren fliegen und Staubwolken die Sicht vernebeln, ist es Zeit, die Hauptschuldige am Euro-Desaster zu benennen: Bundeskanzlerin Merkel.

Von der gelernten Physikerin Angela Merkel stammt nicht nur der mit Abstand dümmste Satz im aktuellen Schlamassel: «Fällt der Euro, fällt Europa.» Sondern auch der sicherlich entscheidende Beitrag zu seinem Untergang. Es wäre wohl eine zu kühne dialektische Volte, ihr zu unterstellen, sie habe absichtlich diesen Nagel eingeschlagen, weil ihr als Naturwissenschaftlerin bewusst wurde, dass der Euro eine widernatürliche Fehlgeburt und Fehlkonstruktion war und ist.

Der Sarg

Griechenlands Übernahme des Euro schaufelte der Wirtschaft und dem Staat das Grab. Das wird ausserhalb Brüssels nicht mal von feurigen Vertretern des europäischen Gedankens bestritten. Wie war es aber möglich, dass im Vergleich zu den staatlichen europäischen Gesamtschulden von rund 11 000 Milliarden Euro ein Klacks von anfänglich rund 200 Milliarden Miese zum bevorstehenden Untergang des Euro führen? Wie war es möglich, dass die griechische Volkswirtschaft, die schlappe 2 Prozent am BIP Europas ausmacht, 18 erfolglose Krisengipfel später die gesamte Eurozone ins Wanken bringt? Dazu war eine unablässige Reihe von Fehlentscheidungen nötig. Deren kriminelle, aber haftungsfreie Dummheit ist bereits ausführlich dargelegt worden. Aber eine geradezu verbrecherische Tat ragt über alle anderen hinaus.

Der Sargnagel

Nicht nur über Griechenland, sondern über dem Euro wurde der Sargdeckel mit einer einzigen völlig unverantwortlichen Massnahmen geschlossen und zugenagelt: dem «freiwilligen» Schuldenschnitt vom März dieses Jahres. Die Auswirkungen haben wir bereits damals beschrieben. Es braucht selbst in einer ganzen Reihe von Fehlentscheidungen und unvorstellbaren Dummheiten, getragen von einer geradezu kriminellen Unverantwortlichkeit, eine alles überragende Viecherei. Dieser Pyrrhus-Sieg von Merkel steht am Anfang der letzten Windung der Todesspirale des Euros. Dabei ging es damals vergleichsweise um einen Klacks. Private Gläubiger, nicht mal alle, wurden gezwungen, auf rund 100 Milliarden «freiwillig» zu verzichten. Bei 11 Billionen ausgewiesenen Gesamtschulden in Europa Peanuts. Aber die Auswirkungen sind gigantisch und tödlich.

Was geschah genau?

Gehen wir die Kaskade von Ungeheuerlichkeiten im Schnelldurchlauf an. Zuerst war es eine freiwillige Beteiligung, dann wurde sie erzwungen. Zuerst betraf es nur die Banken, dann fast alle. Allerdings nicht die Europäische Zentralbank. Zuerst waren es 30 Prozent Haircut, dann 50, am Schluss in Tat und Wahrheit über 70 Prozent. Griechenland hat es nichts genutzt. Dem Euro hat es nichts genutzt. Betroffene Banken müssen staatlich gestützt werden. Der Bankrott Griechenlands wurde bis heute nicht erklärt. Nicht irgend ein «Südland» orchestrierte diesen Schuldenschnitt, sondern das ach so vertragstreue Deutschland. Was bleibt von dieser Kalberei? Seither ist das Vertrauen völlig futsch.

Das rasierte Vertrauen

Pacta sunt servanda, das wussten schon Griechen und Römer; Verträge sind einzuhalten. Nirgends gilt das so absolut wie beim fragilen Verhältnis zwischen Gläubiger und Schuldner. Niemals, ausser in wirklich freiwilligem Einvernehmen, darf an gegenseitig eingegangenen Verpflichtungen herumgeschraubt werden. Schon gar nicht einseitig, und überhaupt nicht zu Lasten des Gläubigers. Denn: Woher sollen seither Gläubiger das Vertrauen nehmen, dass ihnen ein solcher erzwungener «freiwilliger» Schuldenschnitt nicht auch bei italienischen, spanischen, portugiesischen, deutschen Staatspapieren passieren kann? Weil Bundeskanzlerin Merkel versprochen hat, dass das eine «einmalige» Massnahme war? Aber was, wenn sie bspw. im Falle Spaniens schon wieder «alternativlos» wird? Dann wiederholt sich die Geschichte: Lügen, Verschleierung, Raub.

Eurokraten als Gangster

Wer es im normalen Geschäftsleben mit einem Betrüger zu tun bekommt, der sich plötzlich nicht mehr an klare Vereinbarungen halten will, kann wenigstens in einem funktionierenden Rechtsstaat die Gerichte anrufen, um sich vor kriminellen Taten zu schützen. Die Troika, der Gouverneursrat der im völlig haftungs- und rechtsfreien Raum errichteten Rettungsschirme EFSF und ESM, die Eurokraten in Brüssel, Kommissare, Kommissions-Präsidenten und Gruppenchefs, ja die nationalen Regierungen selbst, stehen hingegen über dem Gesetz. Sie sind für ihr Handeln weder verantwortlich zu machen noch zu belangen. In Ausübung ihrer Funktion geniessen sie vollständige Immunität. Ausser, sie machen sich Verbrechen gegen die Menschlichkeit schuldig. Oder importieren einen afghanischen Teppich am Zoll vorbei. Deshalb wird diese Untat von Angela Merkel ungesühnt bleiben. Aber nicht folgenlos.

Kommentare

Sehr geehrter Herr Zeyer,

zu Ihrem Artikel habe ich drei Anmerkungen:

1.) Es ist das normalste von der Welt, daß Schulden, sobald die daraus entstehenden Zinslasten zu hoch geworden sind, nicht mehr zurückgezahlt werden. Den gesamten Vorgang nennt man "Insolvenz" und selbstverständlich gibt es solches nicht nur im privaten, sondern seit Menschengedenken auch im staatlichen Bereich. Das Risiko des Zahlungsausfalles wird dem Gläubiger vergütet, nämlich durch den Zins.

2.) Eine solche Staatsinsolvenz hätte Griechenland genausogut geholfen, wie sie z.B. 1998 Rußland und 2001 Argentinien geholfen hat. Wir hatten alleine in den letzten 14 Jahren weltweit 24 Staatsbankrotte, es handelt sich hierbei um keinen Weltuntergang, sondern um pure Routine im Verhältnis "Schuldner - Gläubiger". Durch die Einbindung in die Euro-Zone ist jedoch die griechische Regierung nicht vollständig souverän und kann daher den völlig logischen und hilfreichen Zahlungsausfall nicht offiziell erklären.

3.) Der Schuldenschnitt, den Griechenland kürzlich vollzogen hat, ist eine bei Weitem nicht ausreichende Farce. Die "70%-Quote" galt lediglich für einen kleinen Teil der griechischen Staatsschulden. Ich habe dies detailliert Ende letzten Jahres in einem Artikel beschrieben:

http://waldemarmeyer.wordpress.com/2011/10/31/euro-rettung-volksverdummung-mit-gansehaut-feeling/

Auch habe ich dort beschrieben, weshalb der Schuldenschnitt völlig untypisch "freiwillig" erfolgen mußte: Dies war offenbar nötig, um die auf die Schulden abgeschlossenen Kreditausfallversicherungen (CDS), die von amerikanischen Banken ausgegeben wurden, nicht in die Haftung zu bringen. Warum Frau Merkel hier wessen Interessen vertritt, wäre eine interessante Frage, die es wert wäre, recherchiert zu werden...

Herzliche Grüße Waldemar Meyer

Sie glauben doch nicht em ERNST, dass es "nur" DUMMheit ist (???).

Das ist ABSICHT - die nur nach DUMMheit klingen soll.

Alles sagt Herr Zeyer leider nicht: In welchen Pool mündet der Milliardenfluss? Wer hat am Ende der Abrechnung den grössten? Die Denkweise, die dem Casino zugrunde liegt, bleibt unangetastet. Sie bedient sich der Politik, weil die das Gewaltmonopol hält, den Raubzug zugunsten einiger weniger durchzusetzen. Namen und Personen spielen keine Rolle, die Funktionäre sind austauschbar wie die Schrauben dieser Maschine. Wer sie am Laufen hält, wer am Ende auf den Milliarden hockt, wäre zu ent-decken.

Der Zeitpunkt, das timing, die minutage Ihres Artikels sagt alles.

Geld ist das Brecheisen der Macht..... Friedrich Nietzsche........... So wurde einst im Zuge der Weltwirtschaftskrise in den USA ein Gesetz (Glass-Steagall Act) beschlossen, das die Trennung von Geschäfts- und Investmentbanken vorschrieb. Dieses Gesetz wurde von Bill Clinton im Jahre 1999 aufgehoben! Zusammen mit der nach dem Platzen der New Economy Blase gefahrenen Politik des billigen Geldes der FED unter Greenspan sowie der Steuersenkungspolitik von George W. Bush führten dann zu dieser gigantischen Blase am amerikanischen Immobilienmarkt. Viele Banken sind in diesen Strudel geraten. In den folgenden Monaten mussten zahlreiche Institute eingestehen, dass sie aufgrund der Krise am US-Hypothekenmarkt hohe Verluste oder Risiken verkraften müssten. Begonnen hatte es nachher auch in Deutschland mit einigen Mrd. für die Rettung der IKB (9 Mrd.), der Bayern LB (4 Mrd.) Erster deutscher DAX-Konzern war - Hypo Real Estate -der nur noch mit staatlichen Krediten und Bürgschaft vor Zusammenbruch gerettet werden konnte. Für alle die im Zweifelsfall der Steuerzahler gerade stehen musste und muss. HRE ist ein typisches Beispiel:... so wie bei uns die UBS. Der Steuerzahler bürgt! "Instrumente der Zerstörung" heissen zudem auch CDS! Nach einem Bericht der New York Times vom 13. Februar 2010 hatten US-Banken wie Goldman Sachs und JP Morgan Griechenland in den letzten zehn Jahren dabei geholfen, das Ausmaß seiner Staatsverschuldung gegenüber der EU zu verschleiern. Warum?........ Und dann? Die Medien nannten es ein Rettungspaket für Griechenland. Das ist eine Irreführung. Das Anfangs 130 Milliarden Euro schwere Paket, auf das sich die europäischen Finanzminister geeinigt hatten, rettet nicht Griechenland, sondern die Banken und Finanzinstitute, die Geld in griechische Anleihen gesteckt hatten. Griechenland trat der Eurozone am 1. Januar 2001 bei. Eurostat stellte 2004 in einem Bericht fest, dass die von Griechenland übermittelten statistischen Daten nicht stimmen könnten..... dank Beihilfe zur Verschleierung von JP.Morgan und Goldman Sachs. Dazu kamen noch die Rating Agenturen mit zeitlich abgestimmten Drohnen und gaben diesem Casino den Rest. Schuld, wenn man überhaupt von solcher sprechen kann, ist eher das blinde Vertrauen der Europäer in die amerikanische Finanzpolitik. Den Europäern muss man aber, wie sie meiner Meinung nach richtig feststellen, zu zaghaftes und unentschlossenes Handel vorwerfen. Kriege gewinnt man nur mit Mut, strategisch wirkungsvolle Gegenoffensiven zu starten!

vielleicht Mitschuldig, ja, wenn überhaupt dann höchstens an der möglichen Eindämmung... aber keinesfalls Hauptschuldig am Entstehen des Problems! Mit einem charmanten Lächeln -und den Mittelfinger in die Höhe- in Richtung der einigermassen ehrlichen Nordländer , hatte zB der gute Silvio jahrelang diese gezielt ausgelacht; Zudem hat dieser in Geheimgesprächen mit E,GR,P versucht die "Südvariante" zu stärken, sprich, DE zu zwingen, diskussionslos die Schulden der 4 via Eurobonds zu übernehmen; Was ohne Nicolas nicht ging, aber die Intrige fand ihre Nachahmer. Anders gesagt: Im Süden wo die Zitronen blühen hält man sich für was besseres, quasi Gottgegeben; Man findet es selbstverständlich, dass man ungestraft belügen und betrügen darf . Im Gegenteil: Man erwartet sich allen ernstes dafür "logischerweise" noch Hilfe von aussen. Ob man allein bei diesen Hintergründen da bei Merkel noch von Schuld sprechen kann......

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