Blocher schadet der Schweiz
Von Kurt Theodor Oehler
Christoph Blocher ist trotz der etwas unbeholfenen Gestik ein brillanter Redner, zudem erfolgreicher Geschäftsmann. Das ist unbestritten. Er ist intelligent und argumentationsfreudig wie seine Mitstreiter Christoph Mörgeli und Roger Köppel.
Der Erfolg fasziniert. Er kann aber auch blind machen. Da schaut man gerne über einen eventuellen „Makel“ hinweg.
Das ist aber nur eine Seite der Medaille. Wo Licht ist, ist auch Schatten. Gibt es möglicherweise auch eine weniger schöne und weniger faszinierende Rückseite der Medaille? Möglicherweise zeigt gerade die Hinterseite der Medaille Blochers wahres Gesicht! Was spiegelt seine innere Wahrheit denn besser, die Naivität der dargestellten Bauernmädchen auf seinen Ankerbildern oder die kraftstrotzende Brutalität des die Axt schwingenden „Holzhackers“ von Ferdinand Hodler? Steckt hinter der Milde des „Schafes“ vielleicht doch die Grausamkeit des „Wolfes“, wenn auch „im Schafspelz“…?
Wie kann man die verborgenen Absichten heraus finden? Es ist allemal schwierig, denn Christoph Blocher liebt es nachweislich, sich hinter einer komplex gestalteten „Tarnorganisation“ zu verstecken, wie im Falle der „Balser Zeitung“. Er scheint es mit der Wahrheit nicht immer ernst zu nehmen, ganz im Gegensatz zu seinen strategischen Erhaltens- beziehungsweise Vermehrungstechniken der politischen Macht. Aus taktischen Gründen kann auch gelogen werden. Es ist doch stets der Zweck, der die Mittel heiligt!
Vielleicht kann uns sein älterer Bruder Gerhard, sein sogenannter „Schatten“ oder „Seelsorger“, weiterhelfen. Dieser sagt, dass Christoph einen wichtigen Auftrag zu erfüllen habe. Er sehe „das Leben als riesiges Schlachtfeld“. Die „politische Clique treibe ein bedenkliches Unwesen“. Deshalb müsse Christoph den „Sauladen der schweizerischen Politik“ endlich ausräumen. - Das sind starke Worte seines „zweiten Ichs“…!
Kann man mit einer solchen „Obrigkeitsfeindlichkeit“ beziehungsweise pseudodemokratischen Gesinnung wirklich der strategische Wortführer einer der „staatstragenden“ Bundesratsparteien sein?
Ganz in diesem Sinne war der ehemals „mausarme“ Christoph schon früh aktiv. Trickreich war es ihm gelungen, die Ems-Chemie unter den Nagel zu reissen. Anstatt sich für die Firma und die Unternehmerfamilie Oswald selbstlos einzusetzen, riet er den Erben zum Verkauf der Firma, - an einen sogenannt „geheimen Käufer“, weil die Ems-Chemie „fast illiquide“ sei und keine Dividenden mehr ausbezahlen könne („Der Bund“, 24.12.11). Der Käufer war schliesslich Christoph Blocher selber. Das sei ein „Coup“, „wie man ihn so noch nie gesehen habe“. Man muss sich schon fragen, was das für Menschen sind, die auf diese Weise profitieren? Aber eben, diesmal war es nicht der Zweck, der diese Mittel heiligte, sondern der Erfolg…
In der Folge wurde Blocher mehrfacher Milliardär und Schlossbesitzer und entwickelte eine ausserordentliche Sensibilität für Politik. Sein Bruder meinte dazu, dass es Christoph selber wisse, dass er „dem landesüblichen Niveau weit überlegen“ sei.
Blocher übertrug seine Kriegsrhetorik auch auf die Europäische Union. Anstatt darauf hinzuarbeiten, mit seinen Nachbarn in Frieden zu leben und in Frieden zusammen zu arbeiten, hetzte er unentwegt gegen die „fremden Fürsten“ und schaffte in der Folge, das halbe Schweizer Volk gegen Europa aufzubringen. Es ist schon erstaunlich, mit welcher Selbstgefälligkeit nicht nur er selber, sondern beinahe die ganze Schweiz den Ländern Europas gegenüber tritt. Es ist, als ob die Grundsätze des Jahrtausendwerks „Europäische Union“, den europäischen Frieden zu wahren und solidarisch zu handeln, nicht einen ehrbaren und völkerverbindenden Wert darstelle, sondern im Gegenteil, von eigennützigen Motiven geprägt würde. Es gibt in Europa vermutlich kein Land, das einen so tiefliegenden Hass auf die europäischen Institutionen hegt. Und das, obwohl die Schweiz, ökonomisch betrachtet, fast ein vollwertiges Mitglied der „Europäischen Union“ geworden ist.
Die rücksichtslose Art, ganz im Sinne der so genannten „Kriegsstrategie Blochers“, offenbarte sich auch im Bruch der mehr als hundertjährigen Tradition, amtierende Bundesräte nicht abzuwählen. Also musste Frau Metzler geopfert werden. Obwohl dieser Tabubruch schliesslich auf Blocher selber zurückfiel, weil man nicht länger mit ihm als Bundesrat zusammenarbeiten wollte, sollte diese unselige Prozedur, die die politische Kultur nachhaltig vergiftete, während der letzten Bundesratswahl einfach wiederholt werden. Glücklicherweise ist es nicht gelungen.
Der politische Stil offenbart sich nicht weniger in der fortwährenden Vereinfachung schwieriger Probleme. Mit verletzenden Plakaten, die möglicherweise gegen das Völkerrecht verstossen, mit infamer Doppelzüngigkeit, vermischt mit einer Prise religiösem Fundamentalismus, wird im Rahmen des praktizierten Populismus an die niedrigsten Instinkte appelliert. Aber, wie sagte es schon sein Bruder: „Volksrecht steht über dem Völkerrecht!“
Die besondere Gesinnung zeigte sich auch bei der Bundesratswahl. Bruno Zuppiger sollte Bundesrat werden. Wie ist es möglich, dass ein Mann, der ein solches Vergehen begeht, zum Bundesratskandidaten erkoren wird. Auch ist beispiellos, wie Gerhard Blocher, vermutlich auch sein Bruder Christoph, über den ehemaligen Präsidenten der SP dachte und vor dem Mikrophon bezeugte (SRG 10.12.03): „Das ist der allerletzte Mensch auf dem Erdboden“, „ein schwächlicher Dummkopf“. Zeigt diese „diabolische Häme“ nicht einen erbärmlichen Verfall der politischen Sitten beziehungsweise der moralischen Gesinnung?
Schliesslich ereilte Christoph Blocher das gleiche Schicksal wie sein Vater, der als fundamentalistischer Prediger trotz sieben Kindern aus Amt und Würden gejagt wurde. Das will etwas heissen! Die nicht mehr tolerierbare „Besserwisserei“ beziehungsweise die anhaltende „Respektlosigkeit“ gegenüber Andersdenkenden schien selbst in der Nationalversammlung nicht mehr akzeptabel. Christoph Blocher wurde 2007 als Bundesrat abgewählt. Das hindert ihn aber nicht daran, mit seinen Machenschaften fortzufahren. Im Zuge eines gewaltigen Racheakts wurde Frau Widmer-Schlumpf mitsamt der eigenen Kantonalpartei aus der Partei geworfen. Jetzt soll es weiter gehen. Philipp Hildebrand ist in der Schusslinie…!
Wie lange muss es noch gehen, bis den Bürgern die Augen aufgehen: Christoph Blocher schadet der Schweiz!



















